Psychoedukation: Dissoziationen verstehen
- Sophia
- 7. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Warum Psychoedukation?
Was wir verstehen können ist weniger beängstigend.
Wissen schafft die Basis für Sicherheit und ist der erste Schritt,
um die Kontrolle über das eigene Erleben zurück zu gewinnen.
Was ist eine Dissoziation?
Eine Dissoziation ist ein natürlicher Schutzmechanismus der Psyche.
Sie ist wie eine seelische Sicherung, welche bei Überlastung
vorübergehend den Stromkreislauf unterbricht.
Es ist ein nützlicher, unterbewusst ablaufender Mechanismus,
welcher es erlaubt sich von Empfindungen und Emotionen
zu distanzieren.
Diese Distanzierung wird in der Psychologie oft als Abspaltung
bezeichnet, was recht abstrakt und ungenau ist.
Dissoziationen treten in einem breiten Spektrum auf
und sind nicht immer krankhaft.
In geringem Ausmass kommen dissoziative Zustände
bei vielen Menschen im alltäglichen Leben vor.
Eine sehr milde Form kennt eigentlich jeder Mensch,
nämlich das Tagträumen.
Auch hier entsteht eine Distanzierung vom tatsächlichen Geschehen.
Ursachen
Eine dissoziative Störung ist eine sogenannte Traumafolgestörung und tritt
somit bei Menschen auf, welche traumatische Erfahrungen gemacht haben.
Nicht nur die Erlebnisse selbst lösen Dissoziationen aus, sondern auch
alle nachfolgenden Ereignisse, welche an das Trauma erinnern.
Diese Erlebnisse sind mit einer starken Angst und einem Kontrollverlust
verbunden.
Während eines traumatischen Erlebnisses wird die bekannte
Kampf- oder Flucht-Reaktion aktiviert.
Es gibt auch noch eine dritte Option, nämlich die Starre oder das tot stellen.
In starken Belastungssituationen kann diese Strategie nützlich sein,
um Schmerzen oder negative Emotionen nicht spüren zu müssen.
Im Tierreich kann man dies beispielsweise bei Gazellen beobachten,
welche bereits von einem Raubtier gerissen wurden und sich in ihren
letzten Momenten versteifen und nicht wehren. Dies ist ein klassisches Beispiel für eine Dissoziation und
führt dazu, dass das Tier keine Schmerzen wahrnehmen muss.
Sehr eindrücklich und bekannt ist eine Form der Dissoziation bei der
Myotonic Goat oder Fainting Goat. Diese haben durch die Züchtung eine
stark ausgeprägte Veranlagung dazu bei Angst in eine Schreckstarre zu verfallen.
In einem Moment der Angst in dem die Kampf-/ Flucht- oder Starre-Reaktion aktiviert
wird versteifen sich die Ziegen also und fallen um.
Mit diesen Beispielen soll ausdrücklich klar gestellt werden,
dass das Dissoziieren einem sehr urzeitlichen, instinktiven Teil des Gehirns
entspringt und keine bewusste Handlung oder Entscheidung ist.
Dieser Mechanismus mit seinen Überlebensstrategien entsteht im Hirnstamm,
dem ältesten Teil unseres Gehirn.
Genau so wie beim Atmen oder dem Herzschlag sind wir nur begrenzt
dazu in der Lage Kontrolle über diese instinktiven Überlebensmechanismen
zu haben.
Symptome
Depersonalisieren (das Gefühl neben sich zu stehen, als wäre man ferngesteuert,
es können auch ausserkörperliche Erfahrungen auftreten)
Derealisieren (die Umgebung kommt einem fremd und entfernt vor,
als wäre das Leben bloss ein Film der an einem vorbei zieht)
emotionale Taubheit (Unfähigkeit Emotionen wahr zu nehmen)
körperliche Taubheit (Gefühlsverlust vor allem in den Gliedmassen,
kann auch von Kribbeln begleitet sein)
Konzentrationsstörungen
Gedächtnisstörungenn (was während dem Dissoziieren erlebt wird
kann oft nicht richtig erinnert werden, dies dient auch dem Selbstschutz)
Gehörverlust
Sehverlust
Lähmung (einzelner Körperteile)
Stupor (komplettes Einstarren)
Ohnmacht (meist ohne vollständigen Bewusstseinsverlust)
psychogene Krampfanfälle
dissoziative Persönlichkeitsstörung
Diese Symptome können wenige Sekunden
oder sogar mehrere Stunden bis Tage anhalten.
Wichtig zu wissen ist, dass es vorüber geht
und keine organischen Ursachen zugrunde liegen.
Somit entstehen durch die Dissoziationen an sich auch keine
bleibenden Schäden.
Durch Stürze oder Erstarren in ungünstigen Momenten
können natürlich Verletzungen entstehen.
Bevor die Diagnose einer dissoziativen Störung gestellt wird
ist es wichtig eine ausführliche Untersuchung zu durchlaufen
und andere Erkrankungen wie Epilepsie aus zu schliessen.
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